Social Media Dings: über Berater und Dialoge

Manchmal habe ich das Gefühl wir befinden uns in einer Endlosschleife, wenn es um das Thema Social Media geht – zumindest in den eigenen Reihen. Immer wieder werden gleiche oder ähnlich lautende Weisheiten vorgetragen und wiederholt. Ob über den Einsatz von Social Media oder über Social Media Berater – es wird metadiskutiert und geschlaumeiert, was das Zeug hält. Heute muss ich mal dazu senfen 😉

Wenig Kreativität und Realität

Das Internet ist vollgestopft mit Artikeln, Meinungen, Blogpostings und Kommentaren, was man alles mit den Social Media machen sollte. Was müssen Unternehmen machen und beachten, was wiederum sollen sie tunlichst sein lassen. Sie müssen kommunizieren. Und das auch noch richtig. Do’s and don’ts zuhauf. Und weil überall und ständig gesagt wird, dass die viele Unternehmen ja überhaupt gar nicht wissen wie es geht, dass sie alles sowieso irgendwie falsch machen (mit Ausnahme von ein paar Best-Practice-Beispielen – natürlich), kommen dann die Social Media Berater ins Spiel (korrekte Schreibweise übrigens „Social-Media-Berater“ ;-)). Die nehmen einen dann an die Hand, zeigen wie dies und das geht und dann ist alles ganz prima. Soweit so gut. Trotzdem habe ich manchmal das Gefühl, dass es schon so viele eingefahrene Muster gibt, viel zu viele Vorgaben – dafür zu wenig Kreativität. Und auch zu wenig Realität, wenn es um echte Interessen und Bedürfnisse geht. So wie die Sache mit dem Dialog.

Ist social denn immer Dialog?

[social = gesellschaftlich, gesellig, gemeinsam]

Dialog! Warum heißt es eigentlich immer, dass alle Dialog machen müssen. Warum wird so eine normale Angelegenheit immer so hervorgehoben? Was ist denn, wenn ein Unternehmen gar nicht so richtig viel mit den Kunden kommunizieren will? Manchmal denke ich, dass Unternehmen vor dieser Anforderung eher zurückschrecken, weil so viel darüber geschrieben wird. Ich meine: Kommunikation findet doch sowieso immer und überall statt, ganz egal ob online oder offline. Die Grenzen verschmelzen immer mehr, das Online-Leben gehört mittlerweile für viele zum „echten Leben“ dazu. Ob virtuell oder real: Überall wird geschimpft, empfohlen, gelästert, gelacht und gelobt. Beim Bäcker nebenan genauso wie im Web. Was ist also an der Dialog-Erkenntnis so besonders und neu? Manche reden eben mehr, manche weniger. Und das ist für mich der springende Punkt, der für zugleich der Ausgangspunkt ist, warum man Social Media nicht in eine bestimmte Richtung wie den Dialog pressen kann. Warum nicht einfach auch andere Wege einschlagen? Wege, die wirklich zum Unternehmen passen? Einfach auch mal mit Lust, Spaß und ein wenig Unbefangenheit an die Sache rangehen. Ich finde es schade, wenn das, was anfänglich so viele begeisterte, bald nur noch verbissen und verkrampft totgeredet wird und so vielleicht viele gute Ansätze im Sande verlaufen. Und vielleicht sollte der eine oder andere einfach mal nachschlagen, was sozial = social bedeutet. Das ist unter anderem auch die Fähigkeit, sich für andere zu interessieren, sich einfühlen zu können. Nicht zwingend Kommunikation! Nicht falsch verstehen: Ich finde Kommunikation wichtig und gut. Dialog gehört auch sicher zu den Kernpunkten von Social Media. Aber ich finde: es geht auch anders, einfach mal die Scheuklappen abnehmen.

Wie war das noch, die Sache mit der Zielgruppe?

Wenn ein Unternehmen seine Kunden oder seine Fans mit guten alten Gewinnspielen, Schnäppchenaktionen und Unternehmensinformationen statt hipper Plauderei begeistern kann – warum nicht? Wenn solche Aktionen den Bedürfnissen der Kunden entsprechen, dann ist das doch auch gut so ist das schlicht und einfach zielgruppenorientiert. Und beide Seiten haben etwas gemeinsam: sie sind zufrieden! Ja was ist überhaupt, wenn es tatsächlich zufriedene Kunden gibt, die gar nicht das Bedürfnis haben, jetzt einen großartigen Dialog zu führen? Vielleicht ist es auch die Kunst, eben das zu erkennen. Mir scheint es manchmal aber so, dass ein Dialog regelrecht erzwungen werden soll. Und das gilt für beide Seiten – für potenzielle Sender und ihre Rezipienten. Das kann aber nicht funktionieren, wenn die Bereitschaft dazu fehlt. Aber genau andersrum wird ein Schuh draus: Unternehmen, die neue Kommunikationsprozesse aktivieren wollen, sollen dies auch tun. Und natürlich auch richtig. Wenn man dafür einen Berater braucht, weil man sich auf dem neuen Terrain nicht zurecht findet, dann ist das eine sinnvolle Entscheidung. Außer Frage steht auch: Ohne Konzept und ohne Analysen funktioniert das nicht. Wer mitspielen will, sollte mindestens die Regeln kennen oder dem Spielleiter zuhören und vertrauen. Umgekehrt gilt das natürlich auch für den Berater: Zuhören und Verstehen ist die Basis für jedes Kommunikationskonzept.

Social Media Berater: Dozententum und Lamentiererei

Was mich langweilt, ist dieses permanente Dozententum und die Lamentiererei diverser Social-Media-Mitmacher. Da wird dann untereinander diskutiert und gestritten, was so ein Berater alles können soll oder nicht. Ob er den ganzen Tag facebooken, twittern der bloggen soll. Wer sich Social Media Berater nennen darf, oder nicht. Oder es wird sich in den eigenen Social-Media-Reihen gegenseitig selbstgefeiert und applaudiert, weil man doch so ein Experte ist. Längst bekannte Ansichten und Meinungen werden langatmig und in stoischer Regelmäßigkeit wiedergekäut, um so die eigene Expertise zu unterstreichen. Neue Erkenntnisse kommen so nicht ans Licht. Also wem nützt das eigentlich? Mir nicht, den Unternehmen nicht, den Verbrauchern und Kunden nicht.

Kommunikationsberatung? Ja bitte.

Social Media Experte? Nein danke.

Ich bin da ganz pragmatisch: Ja, ich mache Kommunikationsberatung. Ja, für neue Medien. Ja, Unternehmen können von mir Unterstützung erwarten. Das ist mein Job. Als Social Media Expertin möchte ich mich aber gar nicht positionieren, für mich stehen Strategien für eine sinnvolle Unternehmenskommunikation im Mittelpunkt. Da ist Social Media sicherlich ein wichtiger Bestandteil – wenn es passt. Ich werde auch bestimmt wieder zu dieser Sache mit den sozialen Medien schreiben. Es gibt so viele Möglichkeiten und Ideen, Social Media zu nutzen. Aber bestimmt werde ich nicht über das Können, Wissen, Tun und die Qualitäten von Social Media Experten-, Beratern- und Consultants, oder wie auch immer sie heißen mögen, urteilen. Ich mache einfach. Machen – nicht zuviel quatschen 😉

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