„Twitter rockt!“ Ein Twinterview mit der Textzicke

Jedes Jahr findet in dem weltbesten aller Netzwerke – dem Texttreff – eine großartige Blogwichtelei statt. Das heißt: alle teilnehmenden Textinen werfen ihr Blog in den Lostopf und schreiben nach der Auslosung einen Gastbeitrag für ein anderes tolles Textinenblog. Ich habe mich total gefreut, dass die wunderbare Lilian Kura aka @textzicke mein Blog bewichteln sollte. Das Thema war auch ganz schnell gefunden: Twitter – was sonst! Denn wenn jemand dafür prädestiniert ist aus dem Twitterleben zu plaudern, dann ja wohl keine andere als die Textzicke. Vielen Dank also für dieses tolle Twinterview, liebe Lilian! So. Jetzt seid Ihr aber auch neugierig, oder? Also gut, los geht’s!

Liebe Lilian, beschreibe Dich doch mal in drei Hashtags.

#wtf: (= „what the f.ck?“) Nichts beschreibt besser meine Meinung zu dämlichen, schockierenden oder entnervenden Fakten, die mir täglich über den Weg laufen. Gut an #wtf: Es geht meist schnell vorbei und ich hopse wieder vergnügt durchs Leben. Weil ich mir nämlich nicht einfach die Laune verderben lasse. So.

#Rabenmuttercontent: Diesen Hashtag verwende ich immer dann, wenn ich die Twitterwelt an meinen teils rabenmütterlich anmutenden Erziehungsversuchen teilhaben lasse. Ob ich nun pumaartig müffelnde Teenager des Autos verweise oder Zimmeraufräumungen per „Ich mache sonst ein Foto und twittere das!“ erzwinge – es mag herzlos klingen, erfüllt aber seinen Zweck. Und zwischendrin bin ich ja auch nett zu ihnen, so isses ja nicht.

#Lektorenleid/#Texterfreuden: Das Dasein als Texterin und Lektorin hält Höhen und Tiefen bereit, die ich allesamt überaus teilenswert finde. Stoße ich z.B. in einem Text auf grausige Satz-/Grammatik-Ungetüme oder Begrifflichkeiten, wird das deshalb in launige Tweets gepackt und entsprechend verhashtaggt. Ebenso verfahre ich, wenn ich für Kunden Lieblingsthemen in Worte fassen darf. Ganz nebenbei bekommen meine Follower so ein Bild von meinen Spezialgebieten. Und lehrreich ist’s auch noch. 😉

Wie lange twitterst Du schon und wie kam es dazu?

Ich treibe mein Unwesen auf Twitter seit April 2009. Und schuld sind vor allem – tataaa! – zwei Textinen!

Denn die fabelhafte Britta Freith twitterte schon länger, als ich sie im Frühjahr 2009 besuchte. Bei jedem dritten Lacher, den wir abends auf der Couch brachten, sprang sie zum Computer, kreischte „Das muss ich einfach twittern!“ und verwurstete das Geschehen in einem Tweet. Mich nervte das kolossal; nein, diese Begeisterung konnte ich nun gar nicht verstehen. Ein Zeiträuber-Tool! Und dann auch noch mit fremden Menschen kommunizieren! Aber dann nagte und nagte Britta an mir herum: „Du wärst dafür gemacht, sag ich Dir! Das macht so viel Spaß! Nun versuch doch mal.“ Ich wehrte mich, lungerte aber fortan Abende lang auf Blip (das musikalische Pendant zu Instagram) herum. Joah, doch, völlig doof war das gar nicht mit diesen fremden Menschen, ähömm. Dann kam Mela Eckenfels und ihr Web 2.0-Workshop im Wendland. Neben facebook, LinkedIn & Co. war natürlich Twitter ein Thema. Und so geschah es, dass ich mir noch in selbigem Workshop einen Twitter-Account an- und sofort loslegte. Dass Britta mit allem Recht gehabt hatte, war schnell klar. Und da bin ich nun. 🙂

Was ist macht Dir am meisten Spaß bei Twitter?

Die Menschen darin, in ihrer schillernden Vielfältigkeit und ihren einzigartigen Ausdrucksweisen. Da sind, wenig überraschend, sehr viele WerberInnen, JournalistInnen, AutorInnen, FotografInnen. Da sind Mütter und Väter, die mich auf humorige Weise an ihrem Familienleben teilhaben lassen. Da sind Singles, deren Eskapaden ich mit leichtem Wehmut verfolge, aber auch mehrere PfarrerInen (!), die völlig unverstellt als der Mensch unter der Soutane twittern. Viele dieser Leute sind ziemlich klug, wahnsinnig witzig oder haben viel gesehen. Ihre Sicht auf die Dinge finde ich bereichernd. Natürlich gibt es neben all diesen Menschen viele Kunstfiguren, die sich z.B. hinter Promi-Avataren verstecken und sich eine ganz offensichtliche Wunsch-Identität stricken. Aber hey: Twitter ist eine Spielwiese aus Worten – wo, wenn nicht dort, sollte man das dürfen? Wenn es amüsant geschrieben ist, lese ich auch Selbstdarsteller gern.

Die Emotionen, die es triggert. Mindestens 20-mal am Tag lache ich wegen eines Tweets laut auf, mindestens 10 grandiose Links speichere ich zur späteren Verwendung ab. Mindestens 5-mal denke ich „Diesen Menschen möchte ich jetzt aber wirklich gern in Echt kennenlernen“, mindestens 2-mal bin ich den Tränen nah – aus Betroffenheit oder Rührung wegen eines getwitterten Themas.

Die Schnelligkeit. Ich bin selbst ein Mensch, der „langsam“ nur schwer ertragen kann. Twitter ist kurz, zackig, auf 140 Zeichen beschränkt. Man liest nur, was man lesen möchte, und teilt nur mit, was man loswerden möchte. Auf diese Weise ist Twitter für mich nicht nur zu einer unfassbar effektiven Informationsquelle geworden, sondern auch zu einem Kreativitätstool,  einer Kontaktbörse (dazu unten mehr) und – jawohl, auch das darf sein – zu einer Klagemauer für schlechte Tage.

Worüber twitterst Du am liebsten? 

Ich bin wohl die typische Querbeet-Twitterin. Meine zahlreichen Tweets drehen sich ebenso um berufliche Themen wie auch um die Familie oder meine private Meinung. Ich teile und verbreite gern Dinge, die mir auch für andere wertvoll erscheinen, mich amüsierten oder zum Nachdenken anregten. Es hat sich eingebürgert, dass ich den Morgen mit dem stets gleichen „ERWACHET!“ einläute (eine Parodie auf die Zeugen Jehovas, for sure) und mit einer Variation von „HEIACONTENT!“ beende. Kommen meine Kinder (auf Twitter bekannt als „die Brut“) aus der Schule nach Hause, melde ich mich auf unbestimmte Zeit ab mit „Argh! Hier kommt die Brut! #off“. Und zwischen all diesen festen Komponenten gnihihihe ich, empöre ich mich, belehre ich und bedanke mich. Für schnelle Hilfe, ein offenes Ohr, Nahrung für die Seele und jede Menge Kreativität.

Hast Du durch Twitter neue Menschen kennengelernt? 

Oh ja, ganz viele sogar! Einige davon sind mittlerweile fest in mein privates und/oder berufliches Leben integriert – als Freunde, Kollegen oder Auftraggeber. Es gibt ja immer wieder Twittertreffen, Lesungen von twitternden Autoren, Ausstellungen von twitternden Künstlern … die Möglichkeiten, Fleisch und Blut hinter den Avataren kennenzulernen, sind unendlich. Total cool finde ich auch, dass man quasi nie mehr allein sein muss, wenn man es nicht möchte. Steigt man in einen Zug (z.B. zu einem Kundenbesuch) und weiß, man wird 2 Stunden Aufenthalt in XY haben, setzt man vorher einen Tweet ab und tut das kund. Meist wird sich ein netter Follower finden, der zu diesem Zeitpunkt ebenfalls in XY weilt und gern einen Kaffee mit einem trinkt. Okay, da bin ich mit meinen doch recht vielen Followern natürlich begünstigt … aber theoretisch besteht diese Möglichkeit bei jedem.

Generierst Du auch Aufträge über Twitter? 

Oh ja, und wie! Ich würde sagen, dass aktuell ein sattes Drittel meiner Text- und Lektoratsjobs über Twitter reinkommen. Manchmal werden Auftraggeber direkt auf mich aufmerksam, manchmal empfiehlt man mich weiter. Mein Accountname ist da sehr von Vorteil: Man weiß sofort, DASS ich texte. „Textzicke“ impliziert aber auch, dass ich nicht auf den Mund gefallen bin und mich selbst nicht allzu ernst nehme. Sprich: Die bierernsten Textjob-Vergeber ohne Humor werden mich über Twitter kaum ansprechen – und das finde ich prima, denn es ist eine gute Vorselektion. 😉

Du hast, wenn das so weitergeht, bald 6.000 Follower. Wie konnte das denn passieren?

Ach herrje, wenn ich das wüsste! Ich habe doch selbst keine Ahnung, warum die alle meinen Kram lesen wollen. Man hat mir allerdings wiederholt gesagt, ich käme 1. überwiegend witzig und 2. sehr authentisch rüber und das sei so eine nette Kombination. Das wird’s dann wohl sein. Was ich nämlich niemals tue, ist, mich zu verstellen. Viel zu anstrengend.

Gibt es noch etwas, was Du gerne zu Twitter unbedingt loswerden möchtest? 🙂

Ja. Habt keine Berührungsängste! Seid einfach Ihr selbst und probiert es unbedingt aus! Twitter rockt.

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2 Gedanken zu “„Twitter rockt!“ Ein Twinterview mit der Textzicke

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