Blogblockade. Ach komm, bleib wech

Ihr kennt doch bestimmt alle diesen Vorsatz aus der Schulzeit, immer dann, wenn man ein neues Heft begann? DIESMAL schreibe ich aber ordentlich. DIESMAL führe ich ein sauberes Heft. JETZT starte ich noch mal neu und gebe mir richtig viel Mühe. Bis zum Ende. Weil: es ist doch so schön neu. Und weiß. Und sauber. So ganz ohne Eselsohren und Schmierereien. Die Motivation ist groß. Ach, Ihr wisst sicher, was ich meine.

Und dann gibt es Situationen im Leben, die ganz genau so sind, wie diese Geschichte mit dem Heft. Ein Neuanfang steht auf dem Plan und man kann es kaum erwarten, die frischen und sauberen weißen Seiten mit neuem Inhalt zu füllen. So ging und so geht es mir hier. Und manchmal auch woanders.

Aber nun zur Blogblockade. Damit verhielt es sich so: Kaum hatte ich mein digitales Zuhause hier letzten Herbst komplett abgestaubt, aufgeräumt und renoviert, konnte ich nicht schnell genug mit neuem Stoff einziehen. Futter gab es auch reichlich. Der NaNoWriMo im November, der Leseherbst von Frau @Textania oder das Texttreff-Blogwichteln während der Weihnachtszeit. Am Jahresanfang klappte es auch noch, irgendwie. Und dann. BÄM. Da war sie: diese unheimliche Schreibstille. Der Vorsatz (Ihr wisst noch, die Sache mit dem neuen Heft und der Motivation?) hielt nicht lange. Ganz am Anfang ist das schlechte Gewissen noch nicht ganz so groß. Aber je länger es sich hinzog, desto mehr versuchte ich genau das zu verdrängen, was ich mir doch so fest vorgenommen hatte. Ich müsste eigentlich kein schlechtes Gewissen habe. Hier lauert schließlich keine Deadline. Aber in meinem Hinterkopf, mal ein bisschen lauter, mal ein bisschen leiser, da hörte ich es immer: Du musst mal wieder. Du solltest mal wieder. Mach doch mal. LOS!

Die Frage war also: Warum klappte es nicht (mehr)? Es muss ja einen Grund dafür geben. Oder mehrere. Kurzerhand mal drüber nachgedacht. Tja. I proudly present: Meine Erkenntnisse.

1. Die Ansprüche

Ich stehe mir mit meiner Neigung zum Perfektionismus regelmäßig selbst im Weg. Manchmal liegt mir ein Thema sehr am Herzen und ich würde gerne etwas dazu schreiben. Der Kopf ist voll mit Ideen und Gedanken dazu. Aber: Kaum sitze ich vor dem Bildschirm habe ich das Gefühl, dass ich es plötzlich nicht mehr so verpacken kann, wie ich es mir vorgestellt habe. Oder ich denke schon vorher: das wird nichts, das wird sowieso nicht gut. Das passiert mir gerne bei sehr komplexen Themen. Und schon fange ich an, es von mir weg zu schieben. Und lasse es dann ganz sein.

Meine eigenen Ansprüche werde ich jetzt einfach mal ein wenig runterschrauben. Ob ich 100 % gebe oder nur 70 % – ich glaube, den Unterschied bemerke allerhöchstens ich selbst. Und es muss ja auch keineswegs immer das Ziel sein, einen langen und umfangreichen Text zu schreiben. Hier werden jetzt auch öfter mal kürzere Beiträge erscheinen. Einfach so, wie es mir in den Kopf kommt. Wichtig ist nur, dass etwas passiert. Alles ist besser als purer Stillstand.

2. Die Aktualität der Themen

Ganz oft liegt es mir auf der Zunge, zu einem aktuellen Thema etwas zu sagen. Und ich staune immer wieder, wie schnell einige Blogger es schaffen, zu tagesaktuellen Themen ihre Meinung so schnell in viele Worte zu fassen. Oft sogar noch am gleichen Tag. Das schaffe ich schlicht und einfach meistens nicht, denn dafür müsste ich andere wichtige Aufgaben liegen lassen. Ganz schnell hat sich ein Thema dann auch schon erledigt, weil schon sehr viel dazu geschrieben wurde.

Jetzt werde ich nur noch dann zu aktuellen Themen bloggen, wenn ich das Gefühl habe, dass ich unbedingt etwas dazu schreiben muss UND ich auch die Zeit dafür habe. So wie es bei #Aufschrei der Fall war. Ist dieses Gefühl nicht groß genug, ist es mir auch nicht wichtig genug. Nur weil alle anderen drüber schreiben, muss ich es nicht. Ich setze mich damit jetzt also einfach nicht mehr unnötig unter Druck.

3. Ich habe doch einfach keine Zeit!

Immer finde ich eine Ausrede, um etwas nicht zu tun. Berufliches geht vor. Kinder gehen vor. Zu müde, keine Idee, und, und, und. [Setzt hier einfach noch x-beliebige gute Ausreden ein, um etwas nicht zu tun.]

Keine Zeit. Aha? Blödsinn. Das lasse ich mir ab jetzt nicht mehr durchgehen. Keine Zeit heißt im Grunde auch nichts anderes, als dass es mir nicht wichtig genug ist. Für das, was mir wichtig ist, werde ich mir zukünftig die Zeit einfach nehmen. Bei zeitlosen Themen ist das ja auch kein Problem.

Die Blockade ist weg. Aber wie denn jetzt?

Manchmal braucht man wahrscheinlich einen Auslöser von außen, wenn sich der innere Schweinehund so dick macht, dass man ihn alleine kaum überwinden kann. Und manchmal wird es einem erst hinterher bewusst, wer oder was diesen einen kleinen Schubs gab. In meinem Fall kam der erste Stupser für den ersten Artikel seit vielen Monaten ganz klar vom @astelier. Über das Warum kann ich hier jetzt nichts sagen, weil ich ganz einfach nicht vorgreifen möchte. Ich hoffe aber sehr, dass ich später noch mal die Möglichkeit habe, in einem neuen Blogartikel darüber ein paar Worte zu verlieren. Das wäre schön. So irgendwann!? 😉

Jedenfalls: Ich öffnete nach langer Zeit mal wieder mein Dashboard, legte kurzerhand Schattenseite als neuen Artikel an und tippte ganz spontan ein paar Worte. Plötzlich fügte sich alles wie von selbst. Es war wirklich nicht viel, aber es tat gut. Der zweite Auslöser war dann die Tweetkarte vom @DidEagle. Die Idee war einfach schön und ich dachte mir: Hey, das muss ich hier auch festhalten.

Diese letzten beiden Beiträge hatten also jeweils einen Auslöser. Sie zeigten mir aber auch, dass ich wieder Spaß daran habe, den Publizieren-Button zu drücken. Schöner Nebeneffekt: schon während des Schreibens dieser beiden kleinen Blogposts kamen mir neue Ideen, die bereits in den Entwürfen liegen. Damit haben sie ihren Zweck doppelt erfüllt. Und zuletzt erinnerte ich mich wieder an den Aufruf von Johnny Haeusler auf Spreeblick2013: Das Web zurückerobern. „Wieder mehr bloggen“ – jajajajaja! Nun gut, das Jahr ist ja noch nicht zu Ende.

So. Fühlt sich alles ganz gut an, jetzt. Ich behaupte also: Der Knoten hat sich gelöst. Ich habe mal wieder ein neues Heft aufgeschlagen. An Vorsätze denke ich aber erst mal nicht, sondern lasse es einfach auf mich zukommen.

Also, liebe Blogblockade: Jetzt warst Du da, aber ab sofort kannste auch wechbleiben!

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2 Gedanken zu “Blogblockade. Ach komm, bleib wech

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