Sucht nicht das, was euch fehlt

„Wer immer nur danach sucht, was ihm fehlt, verliert schnell aus den Augen, was er bereits hat.“

Diesen Satz schrieb ich vor ein paar Tagen spontan auf Twitter. Und daraus entstand dann dieser Blogartikel – einfach nur meine weiteren Gedanken dazu.

Ihr kennt das doch, oder? Ihr sucht etwas wie blöd, nur um kurze Zeit später festzustellen, dass es bereits da ist. Und damit meine ich keine Zufallsfunde, also dass Ihr etwas findet, wonach Ihr gar nicht gesucht habt. Nein, ich meine Dinge, die längst in unserem Leben vorhanden sind. Wir aber manchmal einfach nicht richtig wahrnehmen.

Denkt mal an diese Momente, wenn wir vielleicht unseren Schlüssel suchen. Gerade eben war er doch noch da. Lag an Ort und Stelle, genau da, wo er hingehört. Wir suchen und kramen und wühlen. Und ganz plötzlich merken wir, dass wir ihn doch schon die ganze Zeit in der Hand haben. Unbewusst. Oder die Brille, die wir einfach nicht finden können. Warum? Weil wir sie längst auf der Nase haben.

Und was denken wir in dem Moment, wenn wir das merken? „Oh man, was bin ich doch dusselig.“ Grinsen vielleicht ein wenig dümmlich vor uns hin. Oder lächeln. Und gehen dann erleichtert, vielleicht für einen kurzen Moment kopfschüttelnd, unseren weiteren Tätigkeiten nach. Und alles ist gut.

Wie nennt man so was eigentlich? Ist das Unaufmerksamkeit? Zerstreutheit? Ist der Kopf so voll mit so vielen Dingen, dass wir nicht mal mehr das sehen, was wir längst haben? Wo sind wir den ganzen Tag mit unseren Gedanken? Haben wir uns vielleicht so sehr daran gewöhnt, immer und ständig etwas zu suchen, dass wir das Wesentliche im richtigen Augenblick gar nicht mehr wahrnehmen können? Vielleicht ist es die grenzenlose Masse von Möglichkeiten, die uns das Leben bietet. Viele Entscheidungen. Viele Optionen. Viele Informationen. Eine tägliche Reizüberflutung, die uns manchmal so sehr überschwemmt, dass die Angelpunkte des Lebens direkt vor unseren Augen verschwimmen.

Ich wünsche mir, dass wir uns beim nächsten Mal einer solchen Begebenheit noch mal daran erinnern. Nämlich genau dann, wenn wir wieder mal den Schlüssel in der Hand verzweifelt und hektisch suchen. Oder die Regale und Schubladen auf der Suche nach der Brille durchkämmen. Sich einfach daran erinnern, dass es schon längst da sein kann. Unbeachtet. Weil: wieder mal nicht richtig hingeschaut wurde.

Aber die Frage ist ja auch: wonach suchen wir überhaupt so im Leben? Ist es das Glück? Die Liebe? Der Sinn? Wenn Ihr das sucht, dann schaut doch einfach mal richtig hin! Wie oft sehnen wir uns nach dem, was in der Vergangenheit liegt. Oder träumen von der besseren Zukunft. Ich finde, es fehlt ganz oft das Bewusstsein für das Jetzt. Für das Jetzt, in dem ALLES stattfindet. Eben nicht in der Vergangenheit. Und eben nicht in der Zukunft. Was macht mich genau jetzt in diesem Moment glücklich? Wofür lebe ich heute? Was liebe ich gerade in diesem Augenblick an meinem Leben?

Wenn ich darüber nachdenke, finde ich zu diesen Fragen immer eine positive Antwort. Mich macht glücklich, dass ich gerade schreiben kann. Oder dass mein Söhnchen eben freudestrahlend und stolz das erste Mal alleine von der Schule nach Hause gekommen ist. Ich lebe dafür, dass es meinen Kindern und mir gut geht. Ich liebe an meinem Leben meine Familie, meine berufliche Freiheit als Selbstständige, meine Freunde. Ach, und, und, und. Alles das sehe ich JETZT. In diesem Augenblick. Und halte es mir auch bewusst vor Augen. Ganz bestimmt gib es immer Situationen, die schmerzhaft, hart und schwierig sind, ich kenne das. Aber in solchen Zeiten weiß ich ebenfalls: es wird immer etwas geben, über das ich wirklich froh sein kann. Das können auch nur Kleinigkeiten sein. Vielleicht ein liebes Wort, ein Lächeln, eine nette Geste. Oder liebe Freunde, die zur richtigen Zeit für mich da sind. Und genau diese Momente zählen für mich.

Hin und wieder sollte man den Blick schärfen. Und das funktioniert nur, wenn man die Augen ganz weit öffnet. Wühlt nicht orientierungslos in irgendwelchen Haufen. Den Schlüssel zum Glück, zur Liebe oder der Antwort nach dem Sinn des Lebens braucht Ihr nicht zu suchen. Den hält jeder bereits selbst in der Hand. Vielleicht findet man auch jemanden, der eine weitere Tür dazu öffnet. Aber das passiert dann einfach so. Das kann man weder suchen noch planen, sondern nur auf sich zukommen lassen.

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4 Gedanken zu “Sucht nicht das, was euch fehlt

  1. Meistens öffnet sich der Blick erst wenn man jenanden oder etwas verloren hat. Ich habe vor 2 Jahren meine Gesundheit verloren und ich genieße seitdem das Jetzt. Wenn man mal 9 Wochen kaum in der Lage war auch nur aufrecht zu stehen dann kann man alles genießen. Ihr glaubt gar nicht wie herrlich das ist unter der warmen Dusche stehen zu können. Ich bin dankbar für jeden Moment meines Lebens und habe aufgehört zu suchen.
    „Es ist wie es ist und es kommt wie es konmt“

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