Die 10 grausamsten Schnulzen aller Zeiten – kommentiert von Paul Fauser

Heute freue ich mich sehr, dass ich Paul Fauser für einen Gastbeitrag gewinnen konnte, in dem er die 10 grausamsten Schnulzen, Schmonzetten, und Schmachtfetzen aller Zeiten kommentiert. Viel Spaß beim Lesen 😉


Schöne Anfrage von Miss Brontë: „Schreibst du mir was, über die deiner Meinung nach grausamsten Schnulzen, die den Weg in dein Ohr gefunden haben?“ Ich bin Ende der 60er-Jahre geboren, viele dieser persönlichen Angriffe kommen daher aus den 80ern oder frühen 90ern. Hier fehlen natürlich einige Verbrechen wie dieser unsägliche „Titanic-Song“ oder auch „Love is all around“. Nach der Zusammenstellung war mir erst mal eine Weile übel oder um es mit Cat Stevens zu sagen: Der Morgen hat gebrochen.

Reality – Richard Sanderson

Die Teens küssten zu „Reality“, dem Titelsong aus der französischen Pubertätskomödie „La Boum — Die Fete“, ab 1981 auf jeder erdenklichen Fete. Anfang 1987 war „La Boum“ dann im deutschen Fernsehen zu sehen, und die nächste Generation Teenager küsste sich die Lippen wund. Die Jungs dachten alle an Sophie Marceau, die Mädchen an ihren pickeligen Engtanzpartner gegenüber. Die Küsse waren allerdings meistens feucht.

Bryan Adams – Everything I do

„Du weißt, es ist wahr, alles was ich tue, ich tue es für dich.“ Schleimiger könnte ein deutscher Schlagertext nicht klingen. Geschrieben 1991 für den Film Robin Hood — König der Diebe, sang sich der „harte“ Rocker Adams in die Herzen des melancholischen Mittelstands.

Simply Red – Holding back back the years

Das Liebeslied der 80er-Jahre-Yuppies. Die Männer hassten Simply Red, den Frauen wurden die Knie weich. Hucknall durfte Catherine Zeta Jones und auch Helena Christensen seine Schmachtballade öfters in privater Atmosphäre vorträllern. Sagt einer, die Stimme sei unwichtig.

George Michael – Careless Whisper

Es ist müßig zu diesem Lied etwas zu sagen. Sicher ist nur, dass beide Geschlechter, wenn sie dieses Lied hören, an feuchte Gefühle zurückdenken. Gott hab George Michael selig.

Chris de Burgh – Lady in Red

Das Stück des kleinen Iren klang irgendwie lahm und blechernd. De Burgh will in diesem Lied einfach nur ausdrücken, dass die Dame an seiner Seite ganz besonders ist. Das zu erkennen, geht vielen Männern ab – de Burgh macht allerdings aus einer grauen Maus eine Prinzessin. Chapeau.

F.R. David – Words don’t come easy

So ziemlich die schlimmste Ballade, die in den Sinnen hängengeblieben ist. Bis heute haben Forscher nicht herausgefunden, warum. Sehr weich, irgendwie sehr nichtssagend — aber man bekommt es nicht aus dem Kopf.

Nino de Angelo – Jenseits von Eden

„Wenn selbst ein Kind nicht mehr lacht wie ein Kind, dann sind wir jenseits von Eden.“ Ich war das erste Mal verliebt und ich durfte nix. Eine der größten Sünden meines Lebens, dass ich hier heimlich die Single gekauft habe. Gottseidank war die Tragetasche neutral, wie später bei Beate-Uhse-Shop-Einkäufen.

Whitney Houston – I will always love you

Lass mich dein Bodyguard sein. Zu der Zeit waren die jungen Damen attraktiv, die nicht in diese Schmonzette gerannt sind. Wenn Nick Hornby den Soundtrack bei einer Dame im Regal gefunden hätte, wäre er aus dem Fenster gesprungen. Ansonsten war Whitney schon klasse.

Andrea Berg – Du hast mich tausendmal belogen

Die Erotik und Macht des deutschen Schlagers ist nicht zu unterschätzen. Ich lauschte in einem Café zwei Rentnern. Der eine sagte: „Wenn ich Andrea Berg
im Autoradio höre, muss ich rechts ranfahren.“ Sein Kollege antwortete: „Ich bin froh, dass ich keinen Führerschein mehr habe.“ Ohne Worte.

Roxy Music – Jealous Guy

Geschrieben von einem der größten Musiker aller Zeiten, John Lennon. In der Version von Roxy Music, das Lied für eine Endlosschleife, wenn man lang und ausgiebig ficken will und vorher schon weiß, dass man nach dem Vorspiel einschläft.


Und falls Euch noch weitere gruselige Schmachtfetzen einfallen — gerne her damit 🙂

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