Loslassen

Herbst bedeutet Veränderung. Die Natur macht es uns vor und zeigt es uns an den Blättern, die sich erst bunt färben und dann verwelkt von den Bäumen losgelassen werden — damit im Frühling etwas Neues wachsen kann. Aber auch, um sich zu schützen. Bäume lassen ihre Blätter nicht ohne Grund fallen. Es ist ein reiner Selbstschutz, um die kalte Jahreszeit mit wenig Wasser besser zu überstehen. Sie trennen sich einfach nur von dem, was ihnen unnötig Energie entzieht und legen damit eine Ruhepause ein. Würden sie ihre Blätter nicht abwerfen, würden sie verdursten oder erfrieren.

Herbst ist die Zeit des Loslassens. Loslassen beinhaltet auch Abschied nehmen. Abschied nehmen vom Sommer, von der Wärme, von den hellen Tagen. Und von Vergangenem. Das kann schon ein bisschen wehmütig machen. Aber loslassen kann lebenswichtig sein. Nicht nur für Bäume, auch für Menschen. Auch für mich. Zu viel Ballast, der sich über einen langen Zeitraum angesammelt hat, erdrückt. Loslassen befreit.

Am Ende des Sommers wird es Zeit, sich auf die kalten Monate vorzubereiten, auf die dunkleren Tage. Ich denke darüber nach, wie ich mich während meiner Ruhepause schützen und neue Kräfte sammeln kann. Aber ich weiß auch, dass trotz Dunkelheit und Kälte noch ganz viele wunderschöne Herbstsonnentage und blaue Winterhimmel kommen werden, die neue Energie bringen. Und vor allem viel Platz für Neues. So wie jedes neue Blatt im Frühling seinen Platz findet.

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