20 facts about me

Ich muss nicht jeden Quatsch mitmachen. Aber manchmal schon. Habe mich spontan von Sabine anstecken lassen und hatte jetzt einfach Lust dazu. Ein paar 20 Fakten über mich.

  1. Ich besitze noch komplett alle Bücher aus meiner Kindheit. Fünf Kartons oder so. Klar, Hanni und Nanni, Nesthäkchen, Pucki und alle möglichen anderen Kinderklassiker. Und wer wollte wohl nicht wie Hanni und Nanni ins Internat? Ich weiß nicht, was ich mit den Büchern machen soll. Früher dachte ich, meine Tochter könnte sie mal lesen. Aber das macht sie nicht.
  2. Ich war mal Schnellleserin. Wenn ich als Grundschulkind von der Schule nach Hause kam, habe ich gelesen. Meine Oma sagte manchmal in einem leicht vorwurfsvollen Ton: „Du kommst nach Hause und liest sofort!“ Heute würden sich das bestimmt so manche Eltern wünschen. Früher konnte ich ein Buch in einer Nacht durchlesen. Heute schlafe ich manchmal nach einer Seite ein.
  3. Meine erste selbstgekaufte Maxi-Single war Stay von Bonnie Bianco und Pierre Cosso. Jetzt ist es raus. Und wenn Cinderella ’87 kommt, schaue ich mir das immer noch total gerne an 😉
  4. Aber hauptsächlich schlägt mein Musikherz für alles was rockt. Und für Depeche Mode natürlich.
  5. Mit 15 1/2 habe ich im Rahmen eines Jugendurlaubs zwei Wochen lang in Griechenland gezeltet. Danach wollte ich nie wieder zelten. Dafür mochte ich plötzlich Bier. Obwohl das erste Bier ein halber Liter Heineken mit viel zu viel Kohlensäure war und ich in einer Tour börpsen musste.
  6. Mein erster Computer war ein C64er. Mit Floppy und grün-schwarzem Monitor. Und Schwabbeldisketten, die man beidseitig beschreiben konnte, wenn man sie lochte. Ich konnte stundenlang Winter Games spielen und hatte hinterher einen Aua-Arm vom Biathlon.
  7. Ich bin ein Monk. Schiefhängende Bilder machen mich nervös und ich muss jede verrutschte Tischdecke gerade rücken.
  8. Ich bügel gerne. Als die Kinder noch Babys waren, habe ich jeden Body und jedes Spucktuch gebügelt.
  9. Weihnachten ohne Sissi geht nicht. Weil es aber jedes Jahr zu unmöglichen Sendezeiten ausgestrahlt wird, habe ich mir irgendwann mal die Goldedition zugelegt. Was sein muss, muss sein.
  10. Ich kann mit der linken Hand keine Erdnüsse essen. Die fallen alle runter, bevor sie in meinem Mund landen. Aber ich kann locker in 15 Minuten eine ganze Dose vernichten.
  11. Ich habe bis heute keine einzige Plombe.
  12. Ich bin bin 1,65 m groß, aber in meinem Personalausweis steht 1,67 m. Ich habe keine Ahnung, warum das so ist.
  13. Meine Stärke ist meine Dickköpfigkeit. Meine Schwäche ist meine Dickköpfigkeit.
  14. Ich mag keine Unpünktlichkeit, finde warten doof und bin manchmal zu ungeduldig.
  15. Ich bin Lärmempfindlich. Fernseher als Geräuschkulisse finde ich schrecklich und in Cafés mit lauter Musik und einem hohen Lärmpegel fühle ich mich unwohl. Manchmal bin ich froh, wenn es einfach nur still um mich herum ist.
  16. Ich bin eine mäkelige und einseitige Esserin. Wenn ich Pizza bestelle, ist es immer und immer Salami. Vorteil: kürzt den Entscheidungsprozess enorm ab.
  17. Wenn ich mir Klamotten kaufe bin ich dafür sehr entscheidungsfreudig. Gesehen, gefällt, gekauft.
  18. Ich habe Platzangst. 28 Jahre habe ich jeden Fahrstuhl gemieden. Als das Tochterkind da war, blieb mir mit Kinderwagen nichts anderes übrig. Mittlerweile sind die Kinder zum Glück aus dem Alter raus, in dem sie im Fahrstuhl anfangen zu hüpfen, um mir eine Freude zu machen.
  19. Bevor ich ins Bett gehe, prüfe ich ich mindestens dreimal, ob die Tür auch wirklich zu ist. Das Auto schließe ich auch mindestens dreimal hintereinander ab, bis ich zu weit weg bin, um es noch mal zu versuchen. Vermutlich habe ich wohl einen Ist-die-Tür-auch-wirklich-zu-Kontrollzwang.
  20. Ich bin Perfektionistin. Aber zum Glück habe ich mir in gewissen Bereichen den Perfektionismus abgewöhnt, als das erste Kind kam. War ganz einfach: Entweder putze ich jedem Kekskrümel hinterher, oder ich verbringe die Zeit lieber mit meinem Kind.

This is how I work

Sabine warf mir vor ein paar Tagen dieses Blogstöckchen an den Kopf. Tat ein bisschen weh, denn als ich wieder zu mir kam wusste ich: Hey, das heißt ja schon wieder Arbeit! Aber so ein bisschen Druck muss manchmal auch sein. Was ich eigentlich sagen wollte: Wird ja auch mal wieder Zeit für einen neuen Blogbeitrag. Ach so. Angefangen hat übrigens alles bei Isabella Donnerhall. Und jetzt werde ich mal versuchen, ein paar Fragen zu meinem Blogverhalten und beantworten.

Bloggerinnen-Typ

Ich schreibe einfach nur irgendwas ins Internet. Was und wann ich will. Ich habe hier keine Regelmäßigkeit und außer den Themen Lesen und Schreiben auch keinen richtigen roten Faden. Beruflich bin ich auch Ghostbloggerin für Unternehmensblogs, aber das ist eine andere Baustelle.

Gerätschaften digital

iMac, iPhone, iPad (wobei das iPad im Zusammenhang mit dem Bloggen eher selten zum Einsatz kommt). Canon EOS 400D – wenn ich sie auch mal wieder benutzen würde. Die meisten Fotos entstehen mittlerweile nur noch mit dem iPhone. Hat wohl irgendwas mit Bequemlichkeit und Vergesslichkeit zu tun. Ärgert mich ab und zu.

Gerätschaften analog

Ich habe eine große Schwäche für Notizbücher, schon immer. In allen möglichen Größen, Farben und Formen. Stifte und Notizbücher. Und ganz besonders liebe ich Moleskine-Notizbücher. Und Kalender. Jedes Jahr habe ich den gleichen Wochen-Notizkalender: Auf der linken Seite sind jeweils die Wochentage einer Woche untereinander, auf der rechten Seite genug Platz für Notizen. Für 2014 habe ich mich auf den ersten Blick in den Peanuts-Kalender verliebt. Frisch eingetroffen, noch nicht mal ausgepackt. (Okay, mittlerweile schon.)

Arbeitsweise

Wenn ich spontan eine Blogidee habe, ist mein erster Schritt WordPress zu öffnen und meine Gedanken unsortiert runterzuschreiben. Genau so, wie es mir in dem Moment durch den Kopf geht. Früher habe ich die Blogbeiträge in Word vorgeschrieben. Das mache ich nicht mehr, weil es einfach mehr Aufwand bedeutet und überflüssig ist. In der Regel tippe ich jeden Artikel direkt in WordPress und bearbeite ihn dort so lange, bis er fertig für den Publizieren-Knopf ist. Mein kleiner Schwachpunkt ist allerdings, dass ich manche Texte zwar fast in einen Rutsch so runterschreiben kann – aber manchmal auch nur bis zu einem gewissen Punkt. Dann hakt es, warum auch immer. Ich komme da bestimmt noch mal hinter. In dem Fall dümpelt ein Artikel jedenfalls manchmal ewig in den Entwürfen vor sich hin bis ich mich noch mal aufraffe, ihn fertig zu schreiben. Und dann passiert es mir, dass ich die älteren Entwürfe einfach ignoriere und einen ganz neuen Beitrag anfange. So wie jetzt. Vor diesem hier liegen noch drei unfertige, aber irgendwie auch fast fertige Artikel. Aber das ist schon wieder eine andere Baustelle. Oder auch nicht.

Welche Tools nutzt du zum Bloggen, Recherchieren und Bookmark-Verwaltung?

  • Bloggen: WordPress, Self-Hosting.
  • Recherche: Hauptsächlich den Browser. Als RSS-Reader Feedly. Wenn mich ein Thema ganz besonders interessiert, richte ich auch einen Google Alert ein. Ansonsten springen mich Ideen und Gedanken überall an.
  • Bookmarks: Lege ich fast nur noch in Evernote ab. Einen Bookmark im Browser zu setzen habe ich mir zu dem Zeitpunkt abgewöhnt, als ich selbst nicht mehr durch meinen eigenen Bookmark-Wust durchstieg. Meine Macke war es nämlich, jeden noch so interessanten Popel-Link für irgendwann mal abzuspeichern. Dafür habe ich heute die gleiche schlechte Angewohnheit – wie auch Sabine – immer und ständig Tabs geöffnet zu lassen. So lange bis ich mit dem Projekt fertig bin. Immerhin habe ich nicht mehr dupsigtausend Fenster geöffnet. In diesem Sinne also: Ein Hoch auf die Tabs!

Wo sammelst du deine Blogideen?

Meistens direkt in WordPress, manchmal auch Evernote. Wenn ich eine Idee habe, muss ich sie mir ziemlich schnell notieren. Sonst ist der Gedanke – schwups – wieder weg. Dafür benutze ich mittlerweile auch gerne mal die WordPress-App fürs iPhone. Ich bin darauf gekommen, weil ich schon öfter eine Idee hatte, wenn ich schon im Bett lag. Und dann ist da immer diese Frage: Noch mal aufstehen und ins Büro gehen? Nö. Mit iPhone im Bett ist es dann doch irgendwie gemütlicher.

Evernote nutze ich hauptsächlich, wenn es sich um Artikel (z.B. für Kunden) handelt, für die eine umfangreichere Recherche nötig ist. Für meine eigenen Beiträge fällt so gut wie keine Recherche an, die schreibe ich einfach so runter.

Was ist dein bester Zeitspar-Trick/Shortcut fürs Bloggen/im Internet

Ich schwanke gerade zwischen „Ich verstehe die Frage nicht.“ und „Ha. Haha. Hahaha.“

Benutzt du eine To-Do List-App? Welche?

Ich habe es mal mit Wunderlist und Remember The Milk probiert. Und diverse andere auch noch, dessen Namen mir nicht mehr einfallen. Hängen geblieben bin ich auch hier bei Evernote, in das ich ganz schlicht und einfach nur eine To-Do-Liste anlege, wie ich es auch auf Papier mache. Zusätzlich kommt alles in meinen Moleskine-Kalender. Termine auch in den Familienplaner in der Küche. Das Problem: Irgendwie läuft das alles nicht immer so ganz synchron.

Gibt es neben Telefon und Computer ein Gerät ohne das du nicht leben kannst?

Meine Horrorvorstellung ist es ja, keine Waschmaschine zu haben. Ansonsten möchte ich auf mein iPhone mittlerweile eher ungerne verzichten. Heißt aber nicht, dass ich nicht ohne leben könnte.

Gibt es etwas, das du besser kannst als andere?

Keine Ahnung. Vielleicht wissen das andere. Aber ich kann mit den Ohren wackeln. Und unheimlich schnell mit den Wimpern klimpern. Und Geschenke hübsch einpacken. ICH. LIEBE. ES. GESCHENKE. EINZUPACKEN. Ich kann das stundenlang machen. Mit Wein, Musik, Kerzen – also so zur Weihnachtszeit. Schleifen binden, verzieren, alles. Aber ob ich das besser kann?

Was begleitet dich musikalisch beim Bloggen?

Nichts. Wenn ich konzentriert schreibe, einfach nur Stille. Musik mache ich eher vorher oder danach an. Oder beim Recherchieren. Oder wenn ich wieder mal ein bisschen am Blog schraube. Was ich dann höre, hängt ganz einfach von meiner Stimmung ab.

Wie ist dein Schlafrhythmus – Eule oder Nachtigall?

Eule.

Eher introvertiert oder extrovertiert?

Introvertiert. Wobei ich denke, dass eine gewisse Form von Extrovertiertheit beim Bloggen einfach dazu gehört. Ich weiß es auch nicht. Es ist kompliziert.

Wer sollte diese Fragen auch beantworten?

Ich glaube, Frau Wundertoll und die Alltagsheldin haben noch nicht. Ansonsten gerne alle, die Lust dazu haben.

Der beste Rat den du je bekommen hast?

Denk auch an dich.

Noch irgendwas wichtiges?

Ich bin dafür, einfach mal öfter einfach so ans Meer zu fahren.

„Ich helfe dir dabei!“

Meine Herzmenschen sind deshalb meine Herzmenschen, weil sie mir über einen gewissen Zeitraum so sehr ans Herz gewachsen sind, dass sie immer dort bleiben müssen. Die lasse ich da nicht mehr weg. Es ist einfach zu schön, dass es sie gibt. Und tolle Freunde sind tolle Freunde, weil sie einfach so für einen da sind. Auch – oder vor allem dann, wenn man gerade gar nicht damit rechnet. So wie heute.

Vor kurzem schrieb ich ein paar Gedanken über den Herbst und das Loslassen. Heute bekam ich unerwartet ein Päckchen. Von einer Herzmenschin und tollen Freundin. Mit schönen Dingen, die gut tun. Und lieben Worten, die gut tun. Zu wissen, dass jemand an einen denkt. Das tut immer besonders gut. Das tut jedem gut, zu jeder Zeit. Mehr Worte finde ich heute nicht dafür. Seht einfach selbst, worüber ich mich heute so sehr gefreut habe.

 

 

 

 

 

 

 

 

Hat gewirkt. Heute waren hier ganz viele Sonnenstrahlen 🙂

 

 

 

 

 

 

 

 

 

So schön. Und es ist schon fast viel zu schade, irgendwas davon auszupacken und aufzumachen. Ich liebe es immer so, wenn etwas hübsch und vor allem so liebevoll verpackt ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine Kerze.

 

 

 

 

Seelenplätzchen. Oder auch Plätzchen von einer guten Seele.


Kuscheligflauschigweiche Kuschelsocken \o/

Trinkschokolade am Stiel. Hmmm.

Selbst eingemachte Apfel-Leckereien: Feuriges Apfelchutney, Apfel-Kiwi-Konfitüre, Adventzauber und ABA-Marmelinchen (Apfel-Banane). Bin schon ganz gespannt. Aber das mag man ja auch gar nicht aufmachen und benutzen! 🙂

 

 

 

 

 

 

Hach. Danke, dass es Dich gibt, liebe Claudi. Du bist einfach toll! ❤

NaNoWriMo 2013: 50.000 Wörter in 30 Tagen

Ich habe gerade überhaupt keine Zeit, hier viele Worte zu verlieren. Dafür werde ich in den nächsten 30 Tagen (hoffentlich) ganz, ganz viel Schreiben. Warum? Weil heute Nacht um Punkt 0:00 Uhr der NaNoWriMo 2013 startet. Das heißt: 50.000 Wörter sollen in 30 Tagen geschrieben werden. Ein bisschen mehr über den NaNoWriMo habe ich letztes Jahr schon geschrieben. Und weil es jetzt nur noch wenige Stunden sind, bevor dieser Irrsinn losgeht, gibt es hier nur 10 wirre Short Facts auf die Schnelle. So ganz ohne Blogbeitrag geht das bei mir nämlich nicht, weil das jetzt irgendwie auch so was wie mein innerer Startschuss ist.

1. Dieses Mal bin ich nicht komplett planlos. Eine richtig gute Vorbereitung möchte ich es dennoch nicht nennen. Oder es fühlt sich für mich nicht danach an. Aber die Meinungen gehen da ja sowieso auseinander, welche Methode besser ist. Aber: der Plot steht. HA!

2. Ich schreibe wider den Regeln an der Geschichte vom letzten Jahr weiter. Diese ist ohnehin nach mehreren Überarbeitungen auf ein winziges Häufchen zusammengeschrumpft. Ich habe fast das Gefühl, da noch mal von vorne anzufangen. Auch gut.

3. Zum Start schreibe ich heute Nacht wieder, wie im letzten Jahr, gemeinsam mit Frau Textania rein. Es ist doch einfach schön wenn man weiß, dass andere im gleichen Moment genau so verrückt sind, nicht wahr?

4. Geplottet habe ich übrigens mit Evernote, da ich mich nicht mehr kurzfristig in Scrivener einarbeiten wollte. Das möchte ich mir nach dem NaNo aber gerne mal genauer anschauen.

5. Welches Genre? Es geht in Richtung Urban Fantasy/Suspense/Thriller. Oder eher eine Mischung davon. Wenn ich es denn irgendwie benennen muss. Der Arbeitstitel war auch letztes Jahr schon „Die Schneckenkönigin“. Dabei bleibt es auch.

6. Es ist mein zweiter Versuch. Letztes Jahr habe ich es mit 27.544 Wörtern nicht geschafft. Natürlich möchte ich es dieses Jahr packen. Unbedingt!

7. Die beste Schreibzeit muss ich erst noch finden. Letztes Jahr habe ich viel abends und nachts geschrieben, aber das werde ich diesmal wohl nicht schaffen. Höchstens am Wochenende. Ich versuche einen Mittelweg zwischen den Morgen- und Abendstunden zu gehen. Vielleicht kommt es auch anders, das wird sich zeigen.

8. Rechts oben in der Sidebar seht Ihr meinen Word Count. Dieser wird jedes Mal aktualisiert, wenn ich auf der Website des NaNoWriMo meine Wortanzahl hochgeladen habe. Also, wen es interessiert wie weit ich bin – da steht’s dann.

9. Jetzt habe ich hier sogar mehr geschrieben, als ich dachte. Ich habe also Schreiblaune. Gutes Zeichen. Gutes Zeichen.

10. Bekomme übrigens gerade einen leichten Anflug von Panik. So, jetzt ist es raus.

Fertig. Kann losgehen. Vielleicht drückt Ihr mir die Daumen. Oder so 😉

1. September

Am 1. September 1939 begann der Zweite Weltkrieg. Am 1. September 1939 wurde mein Opa 5 Jahre alt.

Ich erinnere mich noch gut daran, dass er mir das immer wieder erzählte, schon als Kind. An seinem Geburtstag begann der Krieg. Und er erzählte mir auch immer wieder, dass er mal als Junge ein Stück Fleisch gegen ein Schälchen Pudding eingetauscht hat. Bei der Erinnerung daran freute er sich fast wie ein Kind, er lachte dann ganz verschmitzt. Mein Opa war für mich wie mein Papa, den ich nicht hatte. Dieser verschwand aus meinem Leben, als ich drei war. Da meine Mama alleinerziehend und voll berufstätig war, wuchs ich zum Großteil bei meinen Großeltern auf. Nach der Schule ging ich zu meinen Großeltern und verbrachte dort den Tag, bis meine Mama Feierabend hatte und mich abholte. Ich hatte zwei Zuhause, zwei Zimmer. Es war nicht immer leicht, meinen Freunden das Warum und Wieso zu erklären. Viele Wochenenden und auch Urlaube verbrachte ich mit meinen Großeltern, die altersmäßig eher meine Eltern hätten sein können. Schließlich waren sie erst 37 und 41 Jahre alt, als ich geboren wurde. Meine Oma sagte immer mit einem leichten Schmunzeln: „Nein, das ist meine Enkelin.“, wenn jemand sie für meine Mutter hielt. Ich hatte eine tolle Kindheit. Vielleicht ein bisschen anders, keine klassische Familienkonstellation. Aber für mich war es Normalität. Mein Opa konnte alles. Alles, was kaputt war, konnte er reparieren. Er lachte immer darüber, wenn ich als Kind zu meinen Freunden sagte: „Gib das meinem Opi, der kann das heile machen, der macht alles heile.“ Er war mein Held. Und er war sehr kreativ und handwerklich begabt. In seinem Keller hatte er sich einen Werkraum eingerichtet, in dem es nichts gab, was es nicht gab. Für mich richtete er eine eigene Werkecke mit eigener Werkbank und Werkzeug ein. Oft gingen wir zusammen in den Keller, um irgendwas zu basteln und zu werkeln. Im Radio lief dabei Schlagermusik. Samstags immer Fußball. Er war ein großer Fan von Borussia Mönchengladbach. An den Wänden hingen Poster seines Lieblings-Vereins. Und Bilder von den Bergen, die liebte er sehr. Und ich liebte diese Zeit. Mein Opa war ein unheimlich lebensfroher Mensch, immer einen frechen Scherz auf den Lippen. Wir haben viel gelacht. Und er war so stolz auf seine Urenkel. Ich musste immer lächeln, wenn er mit ihnen ganz genau so rumalberte, wie mit mir als Kind.

opi

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach dem 1. September 2011 wurde alles anders. Sein Herz war schon seit Jahren nicht mehr gesund und er hatte auch schon einige schwere Herzoperationen hinter sich. Wir feierten noch am 1. September 2011 seinen Geburtstag. Alles war normal. Kurze Zeit später stellte der Hausarzt im Rahmen einer Entzündung im Zeh eine MRSA-Infektion fest, bekannt auch als Krankenhausvirus, Krankenhauskeim oder ORSA-Virus. Mich wunderte damals, dass er nicht ins Krankenhaus deswegen musste. Dieser Virus ist schließlich sehr ansteckend und hartnäckig. Er wurde daraufhin medikamentös behandelt – zusätzlich zu den vielen anderen Medikamenten, die er auf Grund seiner unterschiedlichen anderen Erkrankungen noch bekam. Eines Nachts kam er auf die Intensivstation. Er war komplett dehydriert und verwirrt. Nach den Tagen auf der Intensivstation war er nicht mehr wie vorher. Die Verwirrung blieb. Er war schwach und konnte nicht mehr laufen, aß kaum. Die Ärzte sagten, es läge eine Form der Demenz vor. Und dann kam der Moment, als der Arzt sagte: „Maximal noch ein halbes Jahr, eher weniger.“ Im Oktober kam er in die REHA. Immer noch schlimm dement, warf alles durcheinander, erzählte viel aus der Vergangenheit, erkannte die Menschen um sich herum teilweise nicht mehr. Es war sehr schwer, meinen früher immer so starken Opi so schwach zu sehen. Nach der REHA sollte er in ein Pflegeheim. Meine Oma konnte unmöglich die Pflege Zuhause übernehmen. Wie soll eine kleine zierliche Frau mit einer Größe von 1,57 m einen Mann pflegen, der verwirrt ist und im Rollstuhl sitzt? Nach zwei Tagen Pflegeheim Anfang November kam er mit einer Lungenentzündung wieder ins Krankenhaus. Dieser verdammte Krankenhauskeim wütete immer noch in seinem Körper. Sein Herz und sein Immunsystem waren einfach zu sehr geschwächt. Krankenhausbesuche waren ab jetzt nur noch mit kompletter Schutzkleidung möglich.

Am Samstag, den 26. November 2011, besuchte ich ihn wieder. Einen Tag vorher sprach ich mit meiner Oma. Sie schlug vor, ich könne ja vielleicht am Sonntag kommen. Ich weiß nicht warum ich das unbedingt wollte, aber ich sagte: „Nein! Ich möchte viel lieber am Samstag kommen.“ Mit voller Schutzkleidung standen wir an seinem Bett. Ich hielt seine Hand. Streichelte sein Wange, mit Gummihandschuhen. Ich sprach mit ihm. Er reagierte auf nichts. „Der Opi hört dich, ganz bestimmt.“, sagte meine Oma zu mir. Es war bedrückend. Gegen Abend verließen wir das Zimmer. Am nächsten Tag war der 1. Advent. Am nächsten Tag wäre ich zu spät gekommen.

Am 1. September 2013 wäre mein Opa 79 Jahre alt geworden.  Am 1. September 2013 finden wir uns nun zum zweiten Mal ohne ihn an seinem Geburtstag zusammen. Er fehlt.