Wie jede Woche

Bevor er den Pub betrat, warf er einen kurzen Blick auf das Wochenangebot an der Tür. Es gab Muscheln. Muscheln nach irischer Art. Muscheln nach italienischer Art. Muscheln nach französischer Art. Während er eintrat schob er sich die Sonnenbrille ins Haar und steuerte gezielt den staubigen Regenschirmständer an, in dem er seine Angel abstellen konnte. Ohne einen Blick auf die anderen Gäste zu werfen, setzte er sich an die Bar. Der Wirt sah ihn an und griff wortlos zu einem sauberen Glas.

„Es gibt Muscheln.“ Mit diesen Worten stellte er dem Angler ungefragt ein frisch gezapftes Bier hin.

„Muscheln schmecken zu sehr nach Meer.“ Wie aus dem Nichts fiel am Ende seines Satzes eine Fliege in sein Glas.

„Verstehe.“

Während er die Fliege beobachtete, hörte er die Musik, die im Hintergrund lief.

„Was ist das?“, fragte er den Wirt ohne den Blick von seinem unberührten Glas abzuwenden.

„Es ist meine Musik.“

„Es ist ein Irish Pub. Du solltest irische Musik spielen.“

„Ich spiele die Musik, die ich liebe.“

„Warum spielst du sie?“

„Weil sie sich an das erinnern sollen, was ich geliebt habe.“

„Wen meinst du?“

„Ich meine die, die sich erinnern wollen.“

„Verstehe.“ Der Blick des Anglers fiel jetzt auf das Goldfischglas am Ende des Tresens. „Es wird Zeit. Das Hotel wartet. Ich komme wieder.“

Der Wirt nahm die Angel aus dem Regenschirmständer in der Nähe des Fensters. Von hier aus konnte er die Überreste der alten Textilfabrik am Rande des Stadtweihers erkennen. Für einen kurzen Moment stellte er sich vor, wie eine Rauchwolke aus dem Schornstein aufsteigt. Er entfernte das Plakat mit dem Wochenangebot von der Tür. Muscheln nach irischer Art. Muscheln nach italienischer Art. Muscheln nach französischer Art. Muscheln, die zu sehr nach Meer schmecken. Wie jede Woche.

Wie jeden Tag

Während der Rasenmäherjunge pausenlos schwatzend, sein Handy unter seine Ohrenschützer geklemmt, wieder auf den Aufsitzmäher kletterte und durch den Park in Richtung Herrenhaus fuhr, warf ein schwarzgekleideter Mann am Stadtweiher seine Angel aus und wartete. Nach mehreren vergeblichen Versuchen ging er über die Brücke, um jetzt von der anderen Seite im schattigen Schutz einer Hauswand sein Glück zu versuchen. Durch seine dunkle Sonnenbrille konnte er dabei ungestört die beiden verliebten jungen Frauen beobachten, die sich gegenüber lachend und küssend auf einer Bank in den Armen lagen. Außer einer Angel mit Köder hatte er nichts bei sich.

Zwei Straßen weiter klemmten in der Zwischenzeit zwei Hilfspolizisten routiniert einem falsch parkenden Van einen Strafzettel über beachtliche 379 Euro Bußgeld hinter den Scheibenwischer. Als der alte Pförtner des Herrenhauses das Knattern des näher kommenden Rasenmähermotors hörte, wurde es für ihn Zeit die Mülltonne zum großen Tor zu bringen. Pflichtbewusst wie immer schwang er sich schnell auf sein Fahrrad und zog die schwere Tonne über die lange holprige Zufahrt des größten Anwesens der Stadt. Im Stadtpark lagen inzwischen die Hirsche dösig in der warmen Abendsonne, als ein vorbeirasender schwarzer Van sie für einen kurzen Moment aufschrecken ließ.

Die Kirchturmglocken der protestantischen Kirche und der alten Basilika im Zentrum der Stadt läuteten abwechselnd im Einklang. Sie saß wartend hinter dem linken Fenster des Hotels in der Dachgaube und starrte durch die mit Brettern vernagelten Fenster auf den großen Platz. Neben ihr drehten zwei Goldfische auf einem winzigen Tischchen in ihrem Glas ihre Runden. Wie jeden Tag.

NaNoWriMo 2014: Wollte nur mal kurz sagen

Aller guten Dinge sind drei. Heißt es doch. Nach dem NaNoWriMo (National Novel Writing Month) 2012 uns 2013 versuche ich es also noch mal. Heute fasse ich mich mal kurz, ich habe ja jetzt nicht mehr viel Zeit. Aber ich habe immerhin:

1. Zwei Ideen und weniger als zwei Stunden vorher immer noch keinen Plan, welche ich nun letztendlich umsetzen soll. Ich schwanke noch zwischen einem klassichen Krimi oder der Weiterführung der Geschichte vom letzten Jahr. Das Genre war da Urban Fantasy.

2. Immer noch Evernote – für mich einfach die eierlegende Wollmilchsau schlechthin. Hätte mir aber trotzdem gerne endlich vorher Scrivener mal genauer angeschaut und vor allem Ulyssess III (lief mir letztens über den Weg) interessiert mich un-heim-lich. Aber dazu war dann – wie immer – keine Zeit mehr.

3. Bin ich kein Stück bereit, aber immerhin ist das Word-Count-Dings hier eingebaut. Irgendwas Sinnvolles muss man ja auch mal machen.

Und eigentlich wollte ich an dieser Stelle aufhören, dann las ich das:

Mehr muss ich dazu wohl nicht mehr sagen. Kann also losgehen. Bin dann mal eben Kaffee kochen.